Eine Entwicklung, die das Portfolio im Segment energetische Sanierung erweitert: ISOVER (Saint-Gobain) hat zwei neue Mineralwolle-Einblasdämmstoffe unter den Bezeichnungen Topdec und Integra auf den Markt gebracht. Die Produkte richten sich gezielt an Nachträgliche Dämmmaßnahmen in Hohlräumen, obersten Geschossdecken und schwer zugänglichen Dachschrägen – ein Segment, das angesichts der GEG-Anforderungen und steigender Sanierungsquoten zunehmend an Relevanz gewinnt.

Im Unterschied zu klassischen Dämmstoffen in Platten- oder Rollenform ermöglicht die Einblastechnik eine fugenlose Applikation auch in verwinkelten Konstruktionen. Die neue Mineralwolle-Variante von ISOVER konkurriert damit direkt mit etablierten Einblasdämmstoffen auf Zellulosebasis oder Glaswolle-Granulaten, die bereits seit Jahren im Sanierungsmarkt etabliert sind. Entscheidend für die Akzeptanz werden neben dem Lambda-Wert (λ) vor allem Kriterien wie Setzverhalten, Staubentwicklung bei der Verarbeitung und brandschutztechnische Einstufung sein.

Mineralwolle bietet gegenüber Zellulose den Vorteil der nicht brennbaren Einstufung in Brandklasse A1 gemäß DIN EN 13501-1, was insbesondere bei mehrgeschossigen Bestandsbauten mit hohen Brandschutzanforderungen relevant ist. Die Wärmeleitfähigkeit dürfte sich, wie bei mineralischen Einblasdämmstoffen üblich, im Bereich von λ = 0,035 bis 0,040 W/(m·K) bewegen – konkrete Produktdatenblätter mit Rohdichte und U-Wert-Berechnungen waren zum Zeitpunkt der Markteinführung noch nicht veröffentlicht. Planer sollten insbesondere auf die notwendige Einblasdichte achten, um späteres Setzen und damit Wärmebrücken zu vermeiden.

Die Markteinführung erfolgt vor dem Hintergrund einer strukturellen Herausforderung im Dämmstoffmarkt. Wie bereits in der kürzlich erfolgten Schließung der Glaswolleproduktion in Bergisch Gladbach deutlich wurde, kämpft die Branche mit Überkapazitäten im Neubausegment. Die strategische Neuausrichtung auf Sanierungsprodukte wie Einblasdämmung erscheint vor diesem Hintergrund als logische Konsequenz. Das Segment energetische Sanierung wächst kontinuierlich, getrieben durch regulatorische Anforderungen und Förderprogramme.

Für den Einsatz in der Praxis empfiehlt sich eine sorgfältige Abstimmung mit ausführenden Fachbetrieben, da die Einblastechnik sowohl spezielle Gerätetechnik als auch Erfahrung in der Dosierung und Verdichtung erfordert. Die Verfügbarkeit von EPD-Daten (Environmental Product Declarations) wird entscheidend sein, um die Nachhaltigkeitsperformance der neuen Produkte im Vergleich zu Wettbewerbsmaterialien objektiv bewerten zu können – ein Aspekt, den ISOVER zuletzt verstärkt in den Fokus gerückt hat.