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Grüner Stahl

Wasserstoff ersetzt Kohle in der Direktreduktion: SSAB, Salzgitter und ThyssenKrupp bauen Milliarden in DRI-Anlagen. Was heißt das für den Bausektor?

Stahlherstellung verursacht weltweit rund 8 % der CO2-Emissionen — in derselben Größenordnung wie die Zementindustrie, aber technologisch auf anderem Weg dekarbonisierbar. Konventionelle Hochöfen reduzieren Eisenerz mit Koks; in grünen Routen übernimmt Wasserstoff (H2) diese Rolle und hinterlässt statt CO2 nur Wasserdampf. Direktreduktion mit H2 plus Schmelzen im Elektroofen heißt DRI-EAF und ist der führende Pfad zur Stahl-Dekarbonisierung.

Europäische Vorreiter: SSAB hat 2021 mit HYBRIT den ersten fossilfreien Stahl an Volvo ausgeliefert, plant Vollumstellung bis 2030. Salzgitter (SALCOS-Projekt) und ThyssenKrupp Steel (tkH2Steel) investieren zusammen über 10 Mrd €. Im Bausektor ist der Umstieg für Stahlbewehrung und Stahlträger besonders wichtig — die Tragwerksfunktion ändert sich nicht, aber der Lebenszyklus-CO2-Fußabdruck sinkt um 60-95 %.

Die Herausforderung ist der H2-Bedarf: ein mittleres Stahlwerk benötigt ca. 100.000 t grünen Wasserstoff pro Jahr — das ist mehr als die gesamte deutsche H2-Produktion 2024. Daher die politische Kopplung mit CO₂-neutralen Bauprodukten und der Circular Economy: grüner Stahl als Teil einer ganzheitlichen Bauwende. Die EU unterstützt über CBAM und Industriedekarbonisierungsfonds.

Zahlen & Fakten

~8 %

CO₂-Anteil Stahl weltweit

Quelle: IEA 2024

−60 bis −95 %

CO₂-Reduktion DRI-EAF vs Hochofen

Quelle: Agora Industry

2026

SSAB HYBRIT Serienstart

Quelle: SSAB

~2,3 Mrd €

Salzgitter SALCOS Investition

Quelle: Salzgitter AG

~5 Mrd €

ThyssenKrupp tkH2Steel

Quelle: ThyssenKrupp

~50 kg

H₂-Bedarf 1 t Stahl

Quelle: Agora Industry

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Häufige Fragen

Was ist grüner Stahl genau?expand_more
Stahl, der ohne fossile Energien hergestellt wird — typischerweise über Direktreduktion mit grünem Wasserstoff (DRI) gefolgt von Schmelzen im Elektrolichtbogenofen (EAF), betrieben mit erneuerbarem Strom. Einige Definitionen lassen auch Hochofen-Stahl mit Biokoks oder CCS zu — die strengste Definition fordert vollständig H₂-basierte Reduktion.
Was kostet grüner Stahl im Vergleich zu konventionellem?expand_more
Aktuell 50-100 % teurer pro Tonne. Mehrkosten sinken mit H₂-Preisrückgang und Skaleneffekten. Bei Bauprojekten mit hohem Stahl-Anteil (Hochhäuser, Brücken) sind Mehrkosten auf Gesamtprojekt oft nur 2-5 %.
Kann man grünen Stahl heute schon im Tragwerk einsetzen?expand_more
Ja — die mechanischen und normativen Eigenschaften sind identisch. SSAB liefert seit 2021 in Kleinmengen. Ab 2026-2027 werden größere Mengen verfügbar. Die Differenzierung erfolgt nicht über Eigenschaften, sondern über Lebenszyklus-Dokumentation (EPD) mit nachgewiesenem reduziertem CO₂-Fußabdruck.
Wie unterscheidet man grünen von konventionellem Stahl beim Einkauf?expand_more
Über eine Environmental Product Declaration (EPD) nach EN 15804 mit aufgeschlüsseltem Global Warming Potential (GWP). Zusätzlich gibt es Herstellerlabel (SSAB FossilFree, ArcelorMittal XCarb, ThyssenKrupp bluemint). Ab 2026 gelten im EU-Binnenmarkt über CBAM verpflichtende CO₂-Abgaben für importierten Stahl — das verschiebt die Wettbewerbsfähigkeit zu Gunsten grüner Produktion.

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